krankheitsbilder-psychosomatisch

„Das ist psychisch!“

Dieser Satz mag leicht mit einem Gefühl einhergehen nicht ernst genommen zu werden. Es klingt in vieler Ohren wie eine Beleidigung. Auch wie ein „Du bist selber Schuld!“ oder „Stell’ Dich nicht so an!“ Rational betrachtet, ist es verwunderlich, dass es angenehmer erscheint eine schwere „richtige“ Erkrankung zu haben als eine „Psycho-Macke“.

Was also ist so erschreckend an „Psycho-“? Vielleicht ist es eine Ahnung, dass uns die Seele näher ist, als unser Körper; auch weniger leicht ihr den Rücken zuzuwenden, auf die Dauer. Daher sind diese Symptome besonders ernst zu nehmen. Auch ist eine körperliche Erkrankung leicht zu verstehen und zu behandeln. Es scheint einfacher – und scheinbar nötiger – ein gebrochenes Bein zu heilen, als ein gebrochenes Herz!?
Was es besonders kompliziert macht, ist Folgendes: Wenn jemand eine solche Erkrankung hat, finden sich verschiedene Symptome: Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Schmerzen, Schwindel, Störungen an Magen-Darm, Herz, dem Blutdruck, o.a.. Es sind Krankheiten, die besonders leicht auf seelische Schwankungen reagieren. Und dort müssen sie auch (zusätzlich) behandelt werden.
Dass sich der Blutdruck bei Aufregung ändert, dass einem etwas „auf den Magen schlägt“ oder „unter die Haut geht“, ist inzwischen jedem bekannt. Die Menschen haben sich aber seit der Aufklärung mehr an das Greifbare und das Messbare gehalten. Das erklärt, warum nicht bei jedem Symptom mit dem gleichen Einsatz von Geld und mit der gleichen Selbstverständlichkeit die seelischen Ursachen untersucht und ausgeschlossen oder behandelt werden. Wobei es in Deutschland eine vergleichsweise gute psychotherapeutische Versorgung gibt.
Dann wäre es selbstverständlich, bei einem Beinbruch zu fragen: „Was war an dem Tag denn eigentlich los?“ Das könnte das Leben reicher werden lassen.
So ist es aber bisher nicht. Manchmal scheint es fast wie ein Makel zu sein, überhaupt eine Seele zu haben. Dabei ist es doch das, was uns auf den Weg bringt, zum Menschen werden läßt: Die Fähigkeit zu lieben und zu leiden, uns selbst zu erkennen. – Nebem der nützlichen Fähigkeit einen Gips anzulegen.
Dass zunächst einmal die körperlichen Ursachen der Erkrankung untersucht werden, ist Vorraussetzung für jede vernünftige Psychotherapie. Aber auch bei einer schweren körperlichen Erkrankung kann es sinnvoll sein, zusätzlich zur Psychotherapie zu gehen. Ich möchte Sie ermutigen, Ihr körperlich-seelisches Zusammenspiel genauer zu erfoschen, besonders wenn eine Kollegin dies empfiehlt und psychosomatische Zusammenhänge als relevant ansieht. Es könnte einfach eine gute Gelegenheit sein.

Psychosomatik ist die Seelen-Körper-Lehre. Wie stark die Seele in diesem Duett ist, zeigen auch Placebo-Studien. Ob ein Kniegelenk wirklich operiert oder nur eine Operation geschickt vorgetäuscht wird, das Ergebnis ist in beiden Fällen gleich und gut. Die Heilung ohne Operation kann aber nur auf die Seele zurückgehen, wie groß der Anteil der Seele an der Heilung mit Operation obendrein ist, wissen wir nicht. Denn das „Ritual“ der Operation wirkt ja in beiden Fällen.
Rüdiger Dahlke

 

Die Geschichte der Krankheitsbilder-Deutung von R. Dahlke als pdf-Datei

Migräne

Vielleicht werden Sie sich wundern, dass ich diese Erkrankung zum Seelischen zugeordnet habe. Es ist sicher eine besonders unangenehme Reaktionsform des Körpers; aber worauf reagiert der Körper der Betroffenen? Gerade bei dieser Erkrankung lässt sich auf der seelischen Ebene viel bewegen.

Schmerzen, Fibromyalgie

Es gibt Schmerzen, für die sich keine körperliche Ursache finden lässt, welche die Symptome befriedigend erklären könnte. Wie wäre es also, nur mal für einen kurzen Moment, so zu tun, als wären die real spürbaren und vorhandenen und schlimmen körperlichen Symptome auch Ausdruck von etwas Seelischem. Was könnte ihre Botschaft sein? Wann haben sie sich eingestellt? Woran wollen sie erinnern? Was verändern sie in meinem Leben?
Wenn auf einige dieser Fragen überraschende Antworten kommen, kann das eine Einladung sein, auf diesem Weg weiter zu forschen.

Schlafstörungen

Vorangestellt sei, dass es auch organisch bedingte Schlafstörungen gibt. Diese müssen entsprechen diagnostiziert und behandelt werden. Die weitaus häufigste Ursache von Schlafstörungen ist seelischer Natur. Auch bei dieser Erkrankung bringt die Ordnungstherapie zur Schlafhygiene einen guten Einstieg in die Selbstfürsorge. Von dort geht es in die Tiefe.

Behandlung

Warum konnte sich sich die Seele mit ihrer Not bisher kein Gehör verschaffen?
Wenn etwas Schmerzliches im Leben ansteht, scheint der körperliche Schmerz oder das Symptom zunächst leichter zu ertragen, als die psychische Auseinandersetzung. Wenn man aber dem Übel auf den Grund gehen will, geht es darum, die Entstehung der Symptome zurückzuverfolgen, bis die Auslöser in der Seelenlandschaft ausgemacht werden können. Wenn dann die Tür geöffnet wird, um mit Hilfe der Therapeutin den Schmerz oder die Trauer o.ä. in die Seele zu nehmen, kann Heilung beginnen und Selbstfindung.
Es geht genau um diese Entscheidung: zwar will niemand gerne Tabletten einnehmen, aber noch weniger soll sich etwas im Leben verändern. Wenn bloß die Schmerzen weg gingen, dann wäre alles gut!?
Wenn Medikamente helfen, sollen sie gerne und in ausreichend hoher Dosis, für den notwendigen Zeitraum genommen werden. Dann können auch etwaige Nebenwirkungen in Kauf genommen werden.
Ein anderer Weg – einmal zusätzlich, einmal alternativ – ist, was früher als „Ordnungstherapie“ bezeichnet wurde. Zunächst werden hier die Lebensgewohnheiten untersucht, insbesondere in ihren Auswirkungen auf die Symptomatik. Wenn hier Zusammenhänge verstanden werden, kann durch schlichte Veränderungen des Verhaltens häufig die Symptomatik positiv beeinflusst werden. Tiefer zugrunde Liegendes kann ans Tageslicht kommen, auch die psychische Funktion bestimmter Gewohnheiten.
Anspannung und Stress können durch das Erlernen des Autogenen Trainings abgebaut werden. Der Körper erlebt heilsame Zeitfenster. So erhält man eine weitere gute Einflussmöglichkeit ohne negative Nebenwirkungen. Von dort kann es weiter gehen, zu tieferem Verstehen und zur Vorbeugung weiterer Symtome mittels einer Psychotherapie.