Gruppentherapie

Es ist häufig angebracht, die therapeutische Arbeit im Gruppengespräch zu unternehmen. Das bietet viele Vorteile. Wir schaffen es, in der Gruppe ein Vertrauensverhältnis aufzubauen, mit Hilfe einer Verschwiegenheitsabmachung (nichts was in der Gruppe von anderen gesagt wurde, darf den Raum verlassen) und dem Interesse, was jedeR hat: etwas im Leben zu verändern, sei es auch erst mal z.B. Schmerzen los zu werden. In dieser Atmosphäre gelingt es Ihnen plötzlich auf eine Art und Weise mit Menschen in Kontakt zu kommen, wie es bisher im Leben nicht möglich war. Niemand kann den ersten Stein werfen. Auch ein innerer Rückzug, die Freiheit, nur da zu sein, ist möglich. JedeR braucht mal die Gruppe oder gibt, dann verschwimmen Geben und Nehmen. Es entsteht eine Offenheit und Vertrautheit von Mensch zu Mensch, die geprägt ist von dem Respekt vor der Stärke und der Verletzlichkeit, die im Gegenüber und im eigenen Erleben auftauchen darf. Die geprägt ist von der Erkenntnis dessen, was der andere in Wahrheit ist.
In einer Gesprächsgruppe, wie sie z.B. bei Irvin Yalom in dem lesenswerten Roman „Die Schopenhauer-Kur“ beschrieben wird, können zwischenmenschliche Aspekte direkt in der Gruppe erlebt und zu Bewusstsein gebracht werden. Wie unter „Tiefenpsychologie“ beschrieben gehen wir davon aus, dass bestimmte Verhaltensweisen und Beziehungsmuster sich im Leben wiederholen. In irgendeiner Weise werden sich diese Gefühle und Verhaltensweisen auch in der Gruppe zeigen. Hier ist jedoch etwas anders als im bisherigen Leben. Die Menschen teilen ihre Empfindungen mit, was sie gerade spüren, wie sie die jetzige Situation erleben und was das Verhalten des anderen Gruppenmitglieds bei ihnen bewirkt. Dadurch erhalten Sie einen neuen Blick auf Ihre Verhaltensmuster, ein neues, (er)lösendes Verständnis und können in der Gruppe Neues ausprobieren. Natürlich führt das zu Veränderungen in Ihrem Leben.
Aufhebung
Sein Unglück
ausatmen können
tief ausatmen
so, dass man wieder
einatmen kann
Und vielleicht auch sein Unglück
sagen könne
in Worten
in wirklichen Worten
die zusammenhängen und Sinn haben
und die man selbst noch
verstehen kann
und die vielleicht sogar
irgendwer sonst versteht
oder verstehen könnte
Und weinen könnte
Das wäre schon
fast wieder
Glück
E. Fried
Prismatische Gruppe
Die prismatische Gruppentherapie ist das Kernstück meiner Arbeit. Wie durch ein Prisma wird ein einzelnes Anliegen durch die Gruppe in vielen Facetten erlebbar. Der Ablauf unterliegt gewissen Regeln (s.u.). Diese dienen dazu, zunächst durch eine äußere Struktur Halt zu geben, eine Verlässlichkeit aufzubauen und Ausdrucksfähigkeit in der zwischenmenschliche Kommunikation auszubilden. Im Gegensatz zum Laufen, was wir lange und mühselig erlernten, haben wir im miteinander Sprechen oft wenig Übung. In der Gruppe kann erfahren werden, dass durch gegenseitiges Mitteilen von Eigenem, dem was jedeN gerade bewegt, ein tiefer Austausch entsteht.
Gleichzeitig ist jedeR TeilnehmerIn in der Integrität geschützt, weil einem niemand rein redet.
Ablauf
Als Symbol für die prismatische Gruppentherapie sehen Sie das Plattenlabel der Pink Floyd Platte Dark Side, die dunkle Seite. Die Texte dieser Musikgruppe, zum Beispiel auch The Wall, die Mauer oder Wand, enthalten vieles aus dem Seelenleben, wie es uns Menschen berührt und bewegt. Das Bild zeigt, wie aus einem einfachen weißen Strahl, der durch ein Prisma leuchtet - aufgebrochen - ganz neues buntes Licht entsteht. Es enthält alle Farben, sogar welche die das menschliche Auge nicht sehen kann.
In unserer Gruppentherapie hier in Michendorf findet sich das Positive des Kollektiv-Gedankens: in einer Runde aus 6-9 Menschen haben alle ein ähnliches Ziel. Jeder und jede möchten in ihrem Leben etwas verändern. Wenn Sie das Ergebnis ändern möchten, dann ist es eine gute Idee auch die Herangehensweise zu verändern. Es mag zunächst schon ungewöhnlich erscheinen, das eigene seelische Erleben mit einer fremden Person zu teilen. Dann aber auch noch mit mehreren anderen?!
Trotzdem habe ich in meiner Praxis aus gutem Grund dieses Therapieangebot ganz in den Vordergrund gestellt. Der vorgegebene Ablauf dient dabei als eine heilsame Struktur, ein Rhythmus der Schutz und Sicherheit gibt. Mein Leiten der Gruppe dient dem Ordnen sowie dem Schaffen und Öffnen der inneren Räume.
Die Therapiestunde beginnt mit einer Eingangs-Runde. Jeder Teilnehmer und jede Teilnehmerin gibt der Reihe nach gesammelt und in einigen Sätzen Einblick in das emotional Wesentliche, das was einen gerade bewegt, vielleicht aus der vergangenen Woche, vielleicht aus einer anderen Zeit – was gerade wichtig ist.
Indem ich mit-teile, was mich besonders bewegt verändern sich die Wichtigkeiten in meinem Leben. Mehr und mehr lerne ich, heraus zu finden, zu unterscheiden und auch lebendig zu erfahren, was mir wirklich wichtig ist. Dabei entdecke ich Themen, die bei meiner Anamnese, meinem Lebenslauf vielleicht schon mal aufgetaucht waren, die aber jetzt einen anderen Stellenwert bekommen. So wie wenn man gemeinsam mit anderen einen Garten umgräbt: man erreicht viel mehr Stellen, kann tiefer graben und der eine findet die blinden Flecken des anderen.
Nach der Eingangsrunde wird das Thema für die Therapiesitzung erarbeitet. Zunächst besteht die Möglichkeit das eigener Anliegen als Themenvorschlag zur Verfügung zu stellen. Die Gruppe bestimmt demokratisch, welches vorgeschlagene Thema an diesem Tag Vorrang hat.
Das gewählte Thema wird dann von der Person, die es vorgeschlagen hat erzählt. Alle anderen hören zu. Anschließend stellen die Zuhörer Sachfragen.
Dabei ist es wichtig, dass ich mit meiner Aufmerksamkeit bei mir und meinen Gefühlen bleibe. Manchmal ist es erstaunlich wie ähnlich und vertraut das von jemandem Fremden Erzählte klingt. Es kann so erleichternd sein, dass endlich einmal das, was ich so bewegend erlebt habe oder erlebe ausgesprochen und benannt wird, so wie es oben beim Rumpelstilzchen Effekt beschrieben wurde.
Es ist auch erleichternd zu erfahren, dass ich mit meinem Unglück nicht alleine bin. Geteilt wird das Leid wirklich halb.
Gleichzeitig ist es wichtig, die eigenen Erfahrungen nicht mit denen des anderen zu vermischen und damit durcheinander zubringen. Indem ich mich eines „kenn’ ich doch“, „ habe ich auch“, „ das musst du so machen“ enthalte, bleibe ich zunächst bei meinem Erleben und lasse dem anderen das eigene Erleben. Wahres Mitgefühl kann ich nur dann entwickeln, wenn ich meins und deins unterscheiden kann, weil dann in meiner Seele des Erleben der anderen Resonanz findet, wieder klingen kann.
Es folgt eine Zeit der Stille. Alle halten auf ihre Weise Einkehr, die Aufmerksamkeit ganz beim eigenen Erleben, meditieren oder entspannen sich, wie sie es beim Autogenen Training gelernt haben. Alles was durch das erzählte Thema und die folgenden Fragen und Antworten in der Seele angestoßen wurde, darf auf eigene Weise an die Oberfläche kommen. Als Körper-Wahrnehmung, als Sinneserfahrung, als Gefühl, als tiefe Erfahrung oder auch mit einem bildhaften Tagtraum, der als einen Transportmittel zu verstehen ist, über das die Seele sich ausdrücken möchte, über das die Seele etwas zeigen, offenbaren oder sich vielleicht etwas Verborgenem entledigen möchte.
Hier ist viel Raum für meine zum Teil lange verborgenen Gefühle und Erfahrungen. Ich habe darauf verzichtet, dem anderen Rat-Schläge zu erteilen, Probleme lösen zu müssen oder mit einem „das habe ich nicht“, „das kenne ich nicht" mich emotional zu entziehen. Indem ich bereit bin mich dem in der eigenen Seele Angestoßenen vollständig zu öffnen, kann ich bisher ungeahnten Gefühlen begegnen, kann in der Entspannung bereit sein, sie voll und in ihrer ganzen Tiefe zu erfahren, so dass mein Leben mehr und mehr der Wahrhaftigkeit sich zuwendet, statt vor den Gefühlen, die sowieso das sind (wenn auch mehr oder weniger unter dem Teppich) wegzulaufen.
Dieses Eigene Erleben wird in der nächsten Runde mit den anderen geteilt. Die Reihenfolge des Erzählens ergibt sich dabei aus dem eigenen Wunsch zu sprechen, sie wird von den Teilnehmenden selber bestimmt. Auch die Gruppenleiterin teilt ihr eigenes Erleben mit. Zum Schluss berichtet der Themenerzähler.
Vielleicht können Sie beim Lesen schon spüren, wie dieser Rahmen jedem Respekt und Würde gibt. Niemand mischt sich ein, niemand weiß es besser, niemand stellt sich durch Mitleid über den anderen und jeder findet aus dem Erzählten etwas in seinem eigenen Leben wieder. Indem ich mich und mein eigenes Verhalten und Erleben im Spiegelbild des anderen erkenne fällt es mir leichter das dysfunktionale daran wahrzunehmen, das was mir schadet oder nicht zum gewünschten Ergebnis führt zu verändern.
Wie viel leichter ist es die eigene Muttersprache durch Nachahmung zu lernen, als eine fremde Sprache durch das Lernen von Vokabeln. Auch sonst haben wir das meiste einfach gelernt, indem wir bei den anderen das Gute abgeschaut und das Schlechte vermieden haben. Wie viel leichter ist es den Balken im Auge des anderen zu erkennen, so dass ich auch den Splitter im eigenen Auge spüre und ihn entfernen möchte.
Durch das Mitteilen des eigenen Erlebens, die verschiedenen Aspekte, Phantasien und Erfahrungen zu ein und demselben Thema entstehen diese vielen verschiedenen Perspektiven, die ein Anliegen oder Problem von so vielen Seiten beleuchten. Dadurch wird es bunt, lebendig und es öffnen sich ganz neue Sichtweisen, Erkenntnisse, Optionen und Veränderungsmöglichkeiten.
Die Therapiestunde endet mit einer Abschluß-Runde. Hier gibt es noch mal ein Statement über den aktuellen Stand der Dinge. Was erfahre ich jetzt? Der aktuelle Zustand, dass momentan Erleben werden geschildert. Der Kreis schließt sich.
Manches kann ich in der Rückrunde emotional zum Abschluss bringen, in Frieden und in Einklang kommen und vielleicht sogar mit Humor aus der neuen Perspektive betrachten. Anderes wirkt vielleicht noch die ganze Woche zunächst aufwühlend und dann heilsam in mir nach.
Es ist immer wieder erstaunlich und wunderbar zu beobachten wie tiefgreifende Veränderungen durch diese Art von Arbeit möglich sind. Wer wirklich Hindernisse aus dem Weg räumen möchte und sich selber wahrhaftig begegnen will ist hier gut aufgehoben. Ich danke Herrn Dr. Loesch aus Potsdam, dass er mich mit der Methode der prismatischen Gruppentherapie vertraut gemacht hat. Mit Inhalt füllen es die Teilnehmerinnen und Teilnehmer jede Stunde mit ihrer Offenheit und ihrem großen Mut für neue Erfahrungen.
Autogenes Training - Wege
Das Autogene Training ist ein erster Schritt, sich mit der eignen Befindlichkeit näher zu befassen, Signale des Körpers richtig zu deuten und deren Veränderung in die Hand zu nehmen. Wie Sie vielleicht wissen, werden beim Autogenen Training bestimmte Formeln eingeübt, mit deren Hilfe Sie lernen, Körper, Seele und Geist in
einen entspannten Zustand zu versetzen.
Es ist tatsächlich ein Training. Das bedeutet, dass es für jedeN möglich ist, es zu erlernen, dass jedeR es, mit etwas Elan, einüben kann. Auch bei vielen körperlichen Erkrankungen (Schlafstörungen, Bluthochdruck, Spannungskopfschmerz, Magenbeschwerden u.s.f.), welche mit erhöhter Anspannung und Stress einhergehen, ist das Autogene Training wirksam und indiziert. Es kann Ihnen helfen, das Übel bei der Wurzel zu packen, auch wenn Sie sich zunächst entscheiden mit Medikamenten die Symptome zu lindern.
Das Erlernen und Üben des Autogenen Trainings in der Gruppe schafft einen Halt, man kann voneinander Lernen, sich gegenseitig stärken und ermutigen.
Autogenes Training – und Felder
Wenn Sie das Autogenes Training sicher beherrschen, schaffen Sie es, auch in stressigen Situationen Ihren entspannten Zustand beizubehalten und entsprechend zu (re)agieren. Wenn es gelingt die Oberstufe zu erreichen,
ergeben sich viele weitere Möglichkeiten.
Autogenes Training ist unterstützend für jede imaginative Arbeit z.B. auch bei körperlichen Erkrankungen (Imaginative Körperpsychotherapie), es ist hilfreich für die Trance-Arbeit. Sie können „luzide träumen“, das heißt nach Anleitung Ihre Träume konstruktiv verändern. Autogenes Training (oder eine anderes Entspannungsverfahren) ist nötig für die Prismatische Gruppe (s.u.).
Stabilisierung
Wenn im Leben Dinge geschehen sind, die die üblichen Möglichkeiten des psychischen Umgangs übersteigen (physische, sexualisierte und psychische Gewalt, schwere lebensbedrohliche Erkrankungen, Unfälle u.ä.) nennt
man das ein Trauma. In Folge davon können sich Schwierigkeiten in der eigenen Gefühlswelt ergeben, die sich z.B. im Umgang mit anderen Menschen zeigen. Es wurden, insbesondere von Frau Dr. Reddemann, spezielle Übungen zur Stabilisierung zusammengestellt und entwickelt, die in einer solchen Situation unterstützen. Diese Übungen werden in einer Gruppe angeboten. Ganz besonders wird bei dieser Arbeit die Ressourcen-Orientierung betont, das Aufbauen und Ausrichten der Therapie auf das, was jeder Mensch an Fähigkeiten entwickelt
hat, das Leben zu meistern, zu überleben und sich auf die Innere Suche zu begeben.
