Psychosomatisch
Schlimmer als alles andere

Es mag unangenehm sein, immer wieder zu hören: „Das ist psychisch!“. Rational betrachtet, ist es jedoch oft verwunderlich, dass es manchen Menschen scheinbar lieber wäre eine schwere „richtige“ Erkrankung zu haben als eine „Psycho-Macke“.
Was also ist so erschreckend an „Psycho-“? Vielleicht ist es eine Ahnung, dass uns die Seele näher ist, als unser Körper; auch weniger leicht ihr den Rücken zuzuwenden, auf die Dauer. Auch scheint eine körperliche Erkrankung vordergründig leicht zu verstehen und zu behandeln. Es scheint einfacher, ein gebrochenes Bein zu heilen, als ein gebrochenes Herz.
Die Symptome
Was es besonders kompliziert macht, ist Folgendes: Wenn jemand eine solche Erkrankung hat, finden sich verschiedenerlei Symptome: Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Schmerzen, Schwindel, Störungen an vegetativen Organen (Magen-Darm, Herz, Blutdruck, usw.). Das sind körperliche Symptome. Und mancheR wünscht sich, dass sie auch nur körperlich behandelt werden könnten.
Allerdings sind es auch Krankheiten an Körperstellen, die besonders leicht auf seelische Schwankungen reagieren. Dass sich der Blutdruck bei Aufregung ändert, dass etwas „auf den Magen schlägt“ oder „unter die Haut geht“, ist inzwischen jedem bekannt.
Die Diagnostik
Die Menschen haben sich seit der Aufklärung und der Industrialisierung mehr an das Greifbare und das Messbare gehalten. Das erklärt, ohne es zu entschuldigen, warum nicht bei jedem Symptom mit dem gleichen Einsatz von Geld und Aufwand die seelischen Ursachen mit der gleichen Selbstverständlichkeit untersucht und ausgeschlossen oder behandelt werden wie die Organischen. (Wobei es in Deutschland noch wesentlich besser ist, als z.B. in den U.S.A.. In England hingegen hat man jetzt erkannt, dass durch die Psychotherapie nicht nur dem Einzelnen viel Leid erspart bleibt, sondern auch dem Gesundheitssystem viel Geld.)
Dann wäre es selbstverständlich, bei einem Beinbruch zu fragen: „Was war an dem Tag denn eigentlich los?“ Das könnte dazu führen, dass jeder ein wenig bewusster mit dem eigenen Leben umgeht. Das könnte das Leben enorm bereichern.
So ist es aber bisher nicht. Manchmal scheint es fast wie ein Makel zu sein überhaupt eine Seele zu haben, dabei ist es doch das, was uns auf den Weg bringt, zum Mensch werden läßt: Die Fähigkeit zu lieben und zu leiden, uns selbst zu erkennen.
Dass zunächst einmal die körperlichen Ursachen der Erkrankung untersucht werden, ist allerdings eine Vorraussetzung für jede vernünftige Psychotherapie. Aber auch bei einer schweren körperlichen Erkrankung kann es sinnvoll sein, zusätzlich zur Psychotherapie zu gehen. Warum also nicht, wenn eine Fachfrau oder ein Fachmann dies empfiehlt und psychosomatische Zusammenhänge als relevant ansieht. Es könnte einfach eine gute Gelegenheit sein, das Leben zu bereichern.
Die Behandlung
Hier ist sie wieder, die Herausforderung: körperliche Symptome stehen im Vordergrund. Vielleicht gibt es auch Seelisches, was einer Behandlung bedarf, aber aus irgendeinem Grund, konnte sich die Seele mit ihrer Not bisher kein Gehör verschaffen.
Oft ist der Grund, dass Schmerzliches ansteht, da scheint der körperliche Schmerz oder das Symptom zunächst leichter zu ertragen, als die psychische Auseinandersetzung. Wenn man aber dem Übel auf den Grund gehen will, geht es darum, die Entstehung der Symptome zurückzuverfolgen, bis die Auslöser in der Seelenlandschaft ausgemacht werden können. Wenn dann die Tür geöffnet wird, den Schmerz oder die Trauer o.ä. in die Seele zu nehmen, kann Heilung beginnen und Selbstfindung.
Es geht genau um diese Entscheidung: zwar will niemand gerne Tabletten einnehmen, aber noch weniger soll sich etwas im Leben verändern. Wenn bloß die Schmerzen weg gingen, dann wäre ja alles gut!??
Wenn Medikamente helfen, sollen sie gerne und in ausreichend hoher Dosis, für den notwendigen Zeitraum genommen werden. Dann können auch etwaige Nebenwirkungen oder kutzfristige Abhängigkeiten in Kauf genommen werden.
Ein anderer Weg - einmal zusätzlich, einmal alternativ - ist, was früher als „Ordnungstherapie“ bezeichnet wurde. Zunächst werden hier die Lebensgewohnheiten untersucht, insbesondere in ihren Auswirkungen auf die Symptomatik. Wenn hier Zusammenhänge verstanden werden, kann durch schlichte Veränderungen des Verhaltens häufig die Symptomatik positiv beeinflusst werden. Tiefer zugrunde Liegendes kann ans Tageslicht kommen, auch die psychische Funktion bestimmter Gewohnheiten. Anspannung und Stress können durch das Erlernen des Autogenen Trainings abgebaut werden. So erhält man eine weitere gute Einflussmöglichkeit ohne negative Nebenwirkungen.
Von dort kann es weiter gehen zu tieferem Verstehen und wahrer Vorbeugung.
(Siehe auch „Die Herausforderung, Henne und Ei“, „Der menschliche Körper, „Das ist psychisch!““)
Migräne
Vielleicht werden Sie sich wundern, dass ich diese Erkrankung zu den Seelischen zugeordnet habe. Es ist sicher eine besonders unangenehme Reaktionsform des Körpers; aber worauf reagiert der Körper der Betroffenen? Wir verfolgen bei der Migräne den gleichen Weg wie unter „Psychosomatisch, Die Behandlung“ aufgezeigt. Gerade bei dieser Erkrankung lässt sich hier viel bewegen.
Schlafstörungen
Vorangestellt sei, dass es auch organisch bedingte Schlafstörungen gibt. Diese müssen entsprechen diagnostiziert und behandelt werden. Sie können Ausdruck einer anderen psychischen Störung oder eine Medikamentennebenwirkung sein oder aber Auswirkung bestimmter Lebensumstände.
Die weitaus häufigste Ursache von Schlafstörungen ist seelischer Natur. Auch bei dieser Erkrankung bringt die Ordnungstherapie, wie unter „Psychosomatisch, Die Behandlung“ erläutert, einen guten Einstieg in die Problematik. Von dort geht es, wie oben beschrieben, in die Tiefe.
Kleine Anleitung zur Schlafhygiene
(Ordnungstherapie)
- Vielleicht brauchen Sie einfach weniger Schlaf. Wie viel Schlafbrauchen Sie?
- Schön ist ein kleines Zubettgeh-Ritual, vielleicht mit einem Kräuter-Tee, einer beruhigenden Musik und einer täglich etwa gleichen Einschlaf- und Aufstehzeit. Der Rhythmus ist für den Körper unterstützend.
- Gehen Sie nur zu Bett, wenn Sie müde sind. Schalten Sie das Licht aus, um zu schlafen. Gelingt dies nicht, gehen Sie in einen anderen Raum und beschäftigen Sie sich mit etwas Angenehmem, solange, bis Sie wieder müde sind.
- Wenn Sie nicht einschlafen können, stehen Sie wieder auf und gehen Sie in einen andern Raum. (s.o.)
- Sehen Sie nachts nicht auf die Uhr, den Wecker kann man auch unter das Bett stellen.
- Das Bett ist ausschließlich zum Schlafen zu gebrauchen (einzige Ausnahme: Sexuelle Aktivitäten)
- Tagsüber keine Schlafepisoden
- Schwer Verdauliches sollten Sie vor dem Zubettgehen nicht mehr zu sich nehmen, aber vermeiden Sie auch die Entstehung von Hungergefühlen.
- Negativ wird der Schlaf beeinflusst von: Alkohol (4h), Koffein (in Kaffee, 6h, Tee 10h, Cola, 6h) und Nikotin (welches Gelegenheitsraucher 4h vor dem Zubettgehen meiden sollten). Versuchen Sie ruhig einmal ganz auf diese Drogen zu verzichten und probieren Sie, wie sich der Schlaf verändert. Bitte berücksichtigen Sie, dass sich der Körper einige Tage akklimatisieren muss, bevor Sie die positiven Auswirkungen verspüren können.
- Eine gute Schlafumgebung ist förderlich: ca. 17 Grad Celsius, nichts was an Arbeit oder Belastung erinnert im Raum.
- Achten Sie auf eine entspannte Abendgestaltung. Sie sollten sich weder körperlich (sportlich), noch psychisch, noch geistig besonders belasten. Schwerwiegende Probleme müssen Sie zu einem anderen Zeitpunkt erörtern. Auch bei manchen Fernsehfilmen ist es eigentlich eine gesunde Reaktion danach nicht gut schlafen zu können.
- Sie können beim Autogenen Training lernen sich immer besser zu entspannen. Das kann gerade bei Schlafstörungen sehr unterstützend sein.
- Wenn Ihnen abends noch viele Dinge für den Tag einfallen, kann es helfen diese auf einen Zettel zu schreiben und dort die Gedanken zu deponieren. Sie sind sie dann los, ohne dass Ihnen Wichtiges verloren geht.
- Versuchen Sie, einen individuellen Umgang mit oben Genanntem und probieren Sie, was wirklich Ihren Schlaf fördert.
Schmerzen, Fibromyalgie
Es gibt Schmerzen, für die lässt sich keine körperliche Ursache finden, welche die Symptome befriedigend erklären könnte.
Wie wäre es also, nur mal für einen kurzen Moment, so zu tun, als wären die real spürbaren und vorhandenen und schlimmen körperlichen Symptome auch Ausdruck von etwas Seelischem. Was könnte ihre Botschaft sein? Wann haben sie sich eingestellt? Woran wollen sie erinnern? Was verändern sie in meinem Leben?
Wenn auf einige dieser Fragen überraschende Antworten kommen, kann das eine Einladung sein, auf diesem Weg weiter zu forschen.
