Was wird behandelt
Die menschliche Seele
„Nur ein Mensch, der Schmerz und Freude gleichermaßen annimmt, kann glücklich sein.“ (1)

Über die Gefühle ist es wichtig Folgendes zu wissen:
- Es gibt sie nicht selektiert, das bedeutet, wenn ich keinen Schmerz oder keine Trauer oder keine Wut fühlen will, werde ich auch meine Freude und Liebesfähigkeit mit in den Käfig sperren müssen.
- Gefühle als solche sind keine lebensbedrohliche Krankheit, eher eine vom Aussterben bedrohte Spezies, die es gilt zu erhalten.
- Die Bereitwilligkeit, Gefühle zu fühlen, ist ein Gang auf Messers Schneide: sie können unterdrückt werden, oder ausgelebt und verstärkt werden, je durch Gedanken, Geschichten, Bilder und Handlungen. Beides führt nicht zum Ziel.
- Auf „Messers Schneide“ bleibend sind Gefühle endlich bis flüchtig.
Diese Behauptungen gilt es im Rahmen der Therapie für Sie zu erläutern, sie tiefer zu verstehen und sie zu überprüfen! Sie sind jedoch grundlegend für die weiteren Ausführungen.
Angst als Krankheit
Im Grunde ist also auch die Angst ein notwendiges sinnvolles Gefühl. Sie hilft dem Menschen, Gefahren zu erkennen. „Von den Menschen, die keine Angst gehabt haben [vor dem Säbelzahntiger] stammen wir nicht ab.“ (Prof. M. Spitzer)
Wie also kann Angst eine Krankheit werden? Wie kann die Angstkrankheit erkannt und „behandelt“ werden?
Die Symptome
Oft versteckt sich die Angst hinter verschiedenen körperlichen Symptomen. Sie sind eigentlich alle im Volksmund bekannt: Angstschweiß, Durchfall, das Gefühl, das Herz bliebe stehen, Übelkeit, Harndrang, innere Unruhe, Lähmungsgefühle, Angst keine Luft zu bekommen, Schwindel u.s.w.. Diese Symptome können so in den Vordergrund treten, dass sie zur Befürchtung einer körperlichen Erkrankung und damit zu einer umfangreichen körperlichen Diagnostik führen.
Die Angst ist oft so gut getarnt, dass es eine Weile dauern kann, bis die Symptome als Angsterkrankung erkannt worden sind. Manchmal hilft erst die Schilderung eines Angstanfalls von einem anderen Betroffenen, um zu erkennen: „Ja, das ist es, was ich auch habe.“ Nicht wenige Menschen neigen dazu, mittels Alkohol und Zigaretten zu versuchen, die Angst los zu werden.
Es finden sich Ängste zu versagen, Angst eine schwere Krankheit zu haben oder verschiedene Ängste im Bezug auf andere Menschen. Wenn es nur eine kleine Angst ist, wie eine übrig gebliebene Gewohnheit, kann manchmal eine Trancearbeit (eine Therapiestunde in bewusster Hypnose, siehe Punkt III) schon helfen.
Der Mechanismus
Wie oben geschildert, dient die Angst eigentlich dazu, vor Gefahren zu schützen. Insbesondere vor Gefahren, welche die körperliche Existenz betreffen. Im Fall der Angstkrankheit hat sich die Angst verselbstständigt. Der Mensch „beschützt sich“ durch die Angstkrankheit vor den eigenen darunter liegenden Gefühlen, tieferen Ängsten, Wünschen oder Auseinandersetzungen. Dies kann mehr wie eine überflüssig gewordene Gewohnheit sein, aber auch eine für die Seele wichtige Funktion haben, die erst verstanden und gelöst werden will, bevor die Symptome verschwinden können.
Behandlung
Manchmal können Medikamente (Antidepressiva) helfen, sich mit der Angst auseinander zu setzen. Wirklich heilen können Medikamente hier nicht, wie sich aus oben gesagtem auch logisch ergibt. Oft beseitigen sie (z.B. Benzodiazepine), unter Inkaufnahme schwerer Nebenwirkungen und der Gefahr der Abhängigkeit doch nur das Symptom. Sie wirken betäubend, wie auch Alkohol. Auch Nikotin wirkt angstlösend. Es bedarf dann großer Anstrengungen, den Weg wieder zurück zu gehen, weil es so schön bequem scheint, einfach eine Pille zu nehmen und „alles ist gut“. Leider funktioniert das nicht.
Der lösende Weg führt in die gegenteilige Richtung. Entweder die „alte Gewohnheit“ kann einfach umtrainiert und abgelegt werden, oder das unter der Angst Verborgene wird schrittweise entschlüsselt und gelöst. Dafür ist es wichtig, dass die Bereitschaft, sich den eigenen Gefühlen zu nähern, wächst und sich vertieft.
Zwänge
Bei den Zwängen verhält es sich ganz ähnlich wie bei den Ängsten. Hier sind es bestimmte Gedanken, Vorstellungen oder Impulse, die sich an die Stelle des Eigentlichen setzen. Somit ist der therapeutische Weg ähnlich. Die darunter liegenden Themen sind variabel.
Traurigkeit und Depression als Krankheit
Zunächst einmal ist die sogenannte neurotische Depression von der obenstehenden endogenen Depression zu unterscheiden, auch wenn es vielfältige Überschneidungen gibt. Man könnte vereinfachend sagen, dass hier, bei der neurotischen Depression, die Ursache zu einem überwiegenderen Anteil im Seelischen liegt. Und auch dort zu behandeln ist.
Wann also wird Traurigkeit eine Krankheit? Die Depression versteckt sich gerne hinter körperlichen Missempfindungen, Schmerzen, Schlafstörungen, Kraftlosigkeit. Aber es zeigen sich auch direktere Symptome wie Niedergeschlagenheit, Lustlosigkeit (auch im Sexuellen) und ein Gefühl von Sinnlosigkeit.
Oft überwiegt im Innern ein Gefühl des Mangels. Der Eindruck, dass niemand einen mag.
Die grundlegende Richtung der Behandlung entspricht auch hier der bei der Angst.
Das Trauma
Ein Trauma entsteht, wenn im Leben Dinge geschehen sind, welche die menschlichen Vorstellungen dessen, was man real erleben kann übersteigen (physische, sexualisierte und psychische Gewalt, schwere lebensbedrohliche Erkrankungen, Unfälle u.ä.) und damit auch die üblichen Möglichkeiten des Psychischen zur Bewälltigung.
Ein solches Erlebnis kann entweder integriert werden. Dies geschieht durch guten sicheren Schlaf, darüber reden, darüber schweigen, darüber weinen und klagen, erleichtert sein, dass es nicht schlimmer ausgegangen ist, auch durch zeitweises Abstand gewinnen (z.B. mit Medikamenten).
Es gibt verschiedene Faktoren, interne und externe, die eine solche Integration erschweren oder erleichtern. Es ist in jedem Fall natürlich, dass ein solcher Prozess mindestens 6 Wochen andauert. Schon in dieser Zeit kann es sinnvoll sein, professionelle Hilfe aufzusuchen, um das zu unterstützen.
Manchmal kann ein solcher Prozess nicht gut alleine gelingen, insbesondere, wenn er vielleicht schon in die Kindheit zurückzuführen ist. Als Folge davon können sich Schwierigkeiten in der eigenen Gefühlswelt ergeben, die sich z.B. im Umgang mit anderen Menschen zeigen. Es wurden, insbesondere von Frau Dr. Reddemann, spezielle Übungen zur Stabilisierung zusammengestellt und entwickelt, die in einer solchen Situation unterstützen. Diese Übungen können in einer Gruppe eingeübt werden. In der Einzelarbeit wird hier die Ressourcen-Orientierung ganz besonders betont: das Aufbauen und Ausrichten der Therapie auf das, was jeder Mensch an Fähigkeiten entwickelt hat, das Leben zu meistern, zu überleben und sich auf die Innere Suche zu begeben.
Persönlichkeitsstörung
Ich erwähne dies hier, weil manchmal Menschen mit der Aussage kommen: „Ich habe eine Persönlichkeitsstörung.“ Es kann versucht werden, sich dahinter zu verstecken. Es soll also darum gehen, diese Diagnose, sofern sie sorgfältig gestellt wurde, zu verstehen. Denn auch wenn die Bezeichnung rüde klingt, benennt sie doch etwas Wichtiges.
Was ist das?
Von einer Persönlichkeitsstörung spricht man, wenn bestimmte seelische Schwierigkeiten sehr ausgedehnt sind. Sowohl in zeitlicher Hinsicht, schon seit der Kindheit oder Jugend bestehen, und inhaltlich sich auf viele Bereiche des Lebens erstrecken. Zudem muss die seelische Eigenheit, und sei es auch nur indirekt durch große Schwierigkeiten und Reibungspunkte mit der Umwelt, dem Betroffenen schon selber aufgefallen sein und Schwierigkeiten bereiten. Insbesondere ist die eigene Wahrnehmung so beeinträchtigt, dass auch die Handlungsmöglichkeiten ganz eingeschränkt erscheinen. Dadurch entsteht ein Gefühl von großer Unfreiheit und ausgeliefert sein. - Ein gutes Motiv in der Therapie etwas zu verändern.
Es kann ein starkes Überwiegen verschiedener Charaktereigenschaften vorliegen, wie ein Gefühl von Ängstlichkeit, Abhängigkeit, die Zwanghaftigkeit, Dramatisierung oder Selbstbezogenheit; manchmal ein Gefühl, die Welt feindselig zu erleben, sich lieber zurück zu ziehen. Oft stehen Gefühlsschwankungen ganz im Vordergrund.
Wenn diese Eigenheiten schon seit der Kindheit oder Jugend bestehen, kann man leicht ahnen, dass diese nicht immer unter den besten Vorraussetzungen verlaufen sind und dass Personen und/oder Umstände für das Kind nicht förderlich waren.
Die Vergangenheit und der Weg heraus
Die Vergangenheit lässt sich nicht ändern. Was geschehen ist, ist geschehen. Aber das Überleben hat geklappt. Darauf kann aufgebaut werden. Es ist ein gutes heilsames Bild, sich vorzustellen, jetzt als ErwachseneR mit Unterstützung der Therapeutin für das damals vernachlässigte Kind zu sorgen, auch wenn das zunächst nicht einfach scheinen mag.
So oder anders kann es gelingen, sich den verschütteten Gefühlen und Regungen wieder zu nähern und somit auch zur eigenen Lebendigkeit zurück zu finden.
In gewisser Weise, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß trifft das auf jeden Menschen zu, können zumindest mit einem solchen Verständnis und Vorgehen bestimmte Charaktereigenschaften und Eigenheiten verstanden und integriert oder geheilt werden.
Suizidalität
„Manchmal ist die Selbstzerstörung, die mangelnde Selbstliebe oder Depression die Öffnung, durch die sich die Transzendenz ihren Weg bahnt“ ( Michael Beckwith und Rickie Byars-Beckwith, Soul-Musiker zu hören auf youtube)
Wenn der Mensch nicht mehr leben möchte oder das Gefühl hat, nicht mehr weiter leben zu können, ist er am tiefsten Grund der Seele angekommen. Es ist die dunkle Nacht der Seele und es scheint keinen Ausweg mehr zu geben.
Manchmal scheint es auch der einzige Weg, seiner Umwelt das ganze Ausmaß der eigenen Verzweiflung verständlich zu machen, oder sich überhaupt Gehör zu verschaffen.
Wenn es erst einmal geglückt ist herauszufinden, wo man eigentlich steht, was das Unerträglichste ist und wonach man eigentlich sucht, was die eigenen Wünsche eigentlich sind, ist schon viel gewonnen.
Dann können alle Phantasien ans Tageslicht kommen und manche paradiesische Vorstellung oder Erlösungsphantasie von einem Ort, den keiner genau kennt, verflüchtigt sich dann, wie eine Gespenst bei Sonnenaufgang.
Es ist keine leichte Aufgabe, sich der tiefen Erschütterung zu stellen, aber um so lohnender ist es, wenn man schon mal in dieser Seelentiefe angekommen ist, sich dort „umzusehen“, dort „hineinzuspüren“ und so viel über sich selbst und über das Menschliche zu erfahren.
Es gibt den Weg heraus oder den innerlichen Weg hindurch: z. B. das aufzugeben, was man nicht hat, ist auch eine Art des inneren Sterbens, welche aber befreit und lebendig macht. Hier ist ein guter Ansatzpunkt für die gemeinsame Arbeit.
Wenn man nichts mehr zu verlieren hat, wenn man wirklich bereit wäre zu sterben, für etwas das sich lohnt, dann kann der Einsatz vollständig sein. Der Einsatz für das Leben.
